#adventskalender

Alle Jahre wieder kommt der terzwerk-Adventskalender mit ganz besonderen musikalischen Türchen. Viel Spaß beim reinlesen, reinhören und reinschauen!

eins

Über die Kindheit des jüngsten Bach-Sohnes Johann Christian ist eine Anekdote überliefert:

Man sprach von seinem großen Vater, und er selbsten gestand, daß er nicht fähig sey, das zu spielen, was sein Vater gesetzt hatte. Einmal, sagte er [Johann Christian], phantasirte ich auf’m Klavier, bloß mechanisch, und hörte in der Sextquart auf. Mein Vater lag im Bett’, und ich glaubt’, er schlief. Aber, er fuhr vom Bett auf, gab mir eine Ohrfeige, und resolvirte die Sextquart.

Was fällt dem kleinen Johann Christian auch ein?! Er tut einem aber auch leid. Deswegen hier das Allegro molto aus seiner einzigen Sinfonie in einer Molltonart.

(hpm)

vier

Kennst du diese Melodie?

Sehr wahrscheinlich. Zu hören ist das Prélude aus der L´Arlesienne Suite No. 1 von Georges Bizet aus dem Jahre 1872. In Frankreich ist diese Anfangsmelodie aber über Bizet hinaus bekannt. Und zwar greift Bizet hier auf ein provenzalisches Weihnachtslied Un bon martin oder La marche des rois mages zurück und variiert es.

Das Weihnachtslied steht in der Tradition der Noëls, die mindestens im 16. Jahrhundert in Südfrankreich begann, wahrscheinlich aber noch früher. Die Melodie ist nicht erst von Bizet aufgenommen und neu komponiert worden, sondern das Lied ist selbst eine Kontrafaktur. Der Marschrhythmus und die bewaffneten Männer im Liedtext lassen erkennen, dass Un bon martin auf die Melodie eines Soldatenliedes gedichtet wurde.

(freya)

sieben

Im hohen Norden, so sagt man, sind sie besonders kreativ. Schweden und Norwegen haben die Kälte, die hohen Steuern und die besonderen Musiker gemeinsam. Beim “Ice Music Festival” in Geilo, Norwegen, spielen Künstler auf ihren erst kurz zuvor gebauten Instrumenten aus Eis – jedes Jahr aufs Neue. Der Klang ist dadurch nie vorherzusehen, weil
er allein durch die Natur bestimmt wird. Kurz vor Konzertbeginn werden die Instrumente aufgebaut.

Aber auch die benachbarten Schweden haben etwas Ulkiges zu bieten: Die Gruppe Wintergatan hat mit ihrer Marble Machine ein Gerät erschaffen, das Töne produziert – Nun ja, was ist es eigentlich? Nicht beschreibbar, hochkomplex und doch faszinierend, was Holz, Eisen und Murmeln alles so erzeugen können. Vorausgesetzt man würfelt sie nur richtig zusammen, sodass alles ineinander greift, wie in einem gut getakteten Schweizer Uhrwerk. Aber seht selbst:

(Florian)

neun

“Es gibt drei Sorten von Kritikern:…
… die bedeutenden;…
– die weniger bedeutenden;…
– die vollkommen unbedeutenden…
…………
Die beiden letzten Sorten kommen nicht vor –
– alle Kritiker … sind bedeutend…….”

Im Jahr 1918 trug Erik Satie zur Eröffnung eines Konzerts seine “Lobrede auf die Kritiker” vor, aus der dieses Zitat stammt. Es ist ein bitterböser Text, voll zähnefletschender Ironie, in dem man auch 100 Jahre später noch viel Wahres findet (so sehr verändert haben Menschen sich offenbar nicht).

Die Hintergründe dieser Lobrede sind kurios: Nach der Uraufführung des Balletts Parade, zu dem Pablo Picasso das Bühnenbild und die Kostüme entwarf und Satie seine erste Orchestermusik komponierte, geriet Satie mit dem Kritiker Jean Poueigh aneinander. Der war zwar nach der Aufführung zum Gratulieren zu ihm gekommen, schrieb jedoch in Le Carnet de la semaine wenige Tage später einen Text, in dem er gemein über das Werk spottete.

Satie reagierte auf seine Weise: “Sie sind ein Arsch, aber ein Arsch ohne Musik”, schrieb der damals 51-Jährige auf eine Postkarte und verschickte sie ohne Umschlag. Poueigh verklagte ihn daraufhin wegen öffentlicher Beleidigung und gewann: Satie wurde zu einer Freiheitsstrafe von acht Tagen und einer Geldstrafe von 100 Francs, 1000 Francs Schadensersatz und 10 Francs Bearbeitungsgebühr verurteilt. Er hätte dem Ganzen entgehen können, wenn er sich entschuldigt hätte – aber das brachte er nicht über sich. Stattdessen schrieb er seine bissige “Lobrede”.

(Ein Glück aber, dass Satie einflussreiche Freunde hatte: Jean Cocteaus Mutter mobilisierte einige der einflussreichsten Prominenten des Paris der damaligen Zeit. Die Strafe gegen ihn wurde auf ihr orchestriertes Bitten fallen gelassen.)

(Hannah)

zwölf

Panik, Hektik, Kopfschmerzen!

Wenn wir ganz ehrlich sind, dann können wir der Zeit vor Weihnachten eigentlich nichts abgewinnen. Stressiges Geschenkekaufen und pflichtbewusstes Plätzchenbacken wiederholen sich Jahr für Jahr und lassen in unseren Gesichtern, anstelle von freundlichen Grübchen, Sorgenfalten erscheinen.

Der skandinavische Jazzmusiker Nils Landgren hat mit “Oh No, It’s Christmas Again” genau den Song geschrieben, der uns gerade noch als nerviger Ohrwurm gefehlt hat. Zur selben Zeit zeigt er damit aber auch, dass Weihnachten anders geht: Seine Veröffentlichungsreihe “Christmas with my friends” geht dieses Jahr in die sechste Runde. Da kommt zumindest bei mir ein bisschen Hoffnung auf, dass auch bei uns die harmonische und andächtige Weihnachtsstimmung noch nicht komplett abhanden gekommen sein kann.

(paul)

vierzehn

Für diejenigen, die gerade kein Instrument zur Hand haben, aber an Adventssonntagen nicht auf Hausmusik verzichten wollen. Garantiert ohne quietschige Blockflötentöne! Doch Vorsicht – es könnte zu Scherben kommen…

(sara)

fünfzehn

„O Tannenbaum, O Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter“

Das ist wohl das bekannteste Weihnachtslied über den Tannenbaum. Weniger verbreitet ist dagegen der “Weihnachtsbaum” von Franz Liszt. Diesen Klavierzyklus von insgesamt 12 sehr vielseitigen Stücken schenkte Liszt seiner Enkeltochter Daniela von Bülow zum Weihnachtsfest.
Nebenbei bemerkt, finden sich in diesem Klavierzyklus relativ einfach zu spielende Stücke. Perfekt also, falls jemand noch auf der Suche nach einem Vortragsstück zu Weihnachten ist.

(marie)

zwei

Ach ja, der Advent: die Zeit der Ruhe und Besinnlichkeit. Moment mal, was ist das?

(melissa)

drei

„They said there´ll be snow at christmas,
They said there´ll be peace on earth,
But instead it just kept on raining.“

Greg Lake schrieb „I believe in Father Christmas“ 1974 eigentlich als Protest gegen die Kommerzialisierung von Weihnachten. Trotzdem wird es nicht zuletzt aufgrund des Textes häufig mit dem Label “Christmas-Song” versehen.
Wer genau hinhört, kann übrigens Sergei Prokofjew’s 4. Satz aus der „Leutnant Kishe“ Suite ausmachen.
Für alle die, die noch an Weihnachten glauben, ein Anti-Christmas und irgendwo doch Christmas-Song.

(marie)

fünf

Wenn ein alter Berliner Philharmoniker mit einer eigenen Version eines traditionellen Weihnachtslieds wirbt, verspricht das ein faszinierendes Klangerlebnis zu werden.

In diesem Sinne viel Spaß mit James Galway und „I saw three ships“!

(nils)

sechs

Vor genau zwei Monaten haben wir mit Montserrat Caballé eine der größten Sopranistinnen aller Zeiten verloren. Ein ähnliches Stimmwunder war Freddie Mercury, der ebenfalls erst kürzlich durch das fulminante und bewegende Biopic Bohemian Rhapsody posthum geehrt wurde. Was der Film leider nicht zeigt, ist das Zusammenwirken Mercurys mit eben jener Montserrat Caballé, aus der das 1988 aufgenommene Album Barcelona hervorging. Lehnen wir uns zurück und genießen diese unglaubliche Energie.

(felix)

acht

Weihnachten, das kann und darf manchmal einfach die Zeit des Kitsches sein. Alles sprüht nur so vor Liebe, Vollkommenheit und Zufriedenheit. Und sind wir mal ehrlich. Gucken wir zu irgendeiner Zeit im Jahr mehr Liebesfilme? Und läuft die Kuschelrock-Weihnachthits-Playlist nicht auf Dauerschleife? Für den ein oder anderen mag folgendes Zitat auch schon die Grenze zum Kitsch überschreiten. Ich aber finde es sehr treffend und meiner Meinung nach darf es zur Weihnachtszeit auch gerne mal ein bisschen emotionaler werden.

„Die Musik spricht nicht die Leidenschaft, die Liebe, die Sehnsucht dieses oder jenes Individuums in dieser oder jener Lage aus, sondern die Leidenschaft, die Liebe, die Sehnsucht selbst.“ – Richard Wagner

(carla)

zehn

Der Klassiker unter den Komponisten ist Mozart. 

Hier der Klassiker unter den Weihnachtsplätzchen für euch zum nachbacken:

Vanillekipferl

250g Mehl

80g Zucker

75g Puderzucker

200g Margarine

100g gemahlene Mandeln

1 Päckchen Vanillezucker

Alles zusammen kneten, Teig in Frischhaltefolie einwickeln und für ca. 15 Min in den Kühlschrank geben. Teig danach rollen, gleich große Stücke abschneiden und diese zu Hörnchen formen. 10 Min bei 180°C backen und danach mit Puder- und Vanillezucker bestäuben.

Wusstet ihr, dass Mozart und Vanillekipferl das Heimatland teilen? In den Genuss dieser wird er aber trotzdem nie gekommen sein, da sie erst Anfang des 20. Jahrhunderts Einzug in die österreichischen Bäckereien fanden.

(Madita)

elf

Grinch in the house!

Für alle, die auf weihnachtliche Musik nicht grundsätzlich verzichten wollen, aber zu dieser Zeit des Jahres unter einer Art musikalischer Frustration leiden:

Für euch hat Tyler the Creator eine kitschfreie EP veröffentlicht – inspiriert vom neuen Grinch-Film. Weihnachtsglitzer ganz ohne Glöckchen, klingt wie Weihnachten ohne Geschenk-Erwartungen. Zwanglos. Verspielt. Modern – so klingt Tylers Christmas-EP.

(Laurine)

dreizehn

Letztes Adventswochenende in Leeds, Händels Messias. Nicht ungewöhnlich für die Adventszeit in England, ungewohnt für uns Dortmunder Sänger*innen aber, was bei den ersten Tönen des Hallelujah-Chors geschieht: Es erheben sich nicht nur wir im Chor, sondern alle im Saal – das ganze Publikum steht auf! Aber…warum?

Wie es so oft ist mit Bräuchen: Niemand weiß eigentlich genau warum, man macht es eben einfach so. For ever and ever, hallelujah, hallelujah.

(reb)

Sechzehn

Zum dritten Advent ein Loriot-Klassiker, der das Konzertpublikum aufs Korn nimmt. Viel Spaß!

(hpm)

siebzehn

Ich sehe sie vor mir: Kleine silbern schillernde Fischchen mit großen traurigen Augen, die ihre Kreise durch´s Aquarium ziehen. Hin und wieder steigen Blubberblasen auf.

Wer kann mit Musik so schöne Bilder vor dem inneren Auge entstehen lassen? Camille Saint-Saëns mit seinem Aquarium aus dem Karneval der Tiere. Es ist übrigens die erste Musikkomposition mit Celesta, einer Art Glockenspiel in Form eines Klaviers – kannst du sie hören?

(Freya)