Wie Beethoven uns den Spaß verdarb

© pixabay

Auf einmal interessieren sich jetzt alle für Beethoven. Eben noch dachte man, es handele sich vielleicht doch nur um den mittelknuffigen Bernhardiner-Welpen, den der Familienspaßfilm Ein Hund namens Beethoven 1992 zum Titelhelden kürte – aber nein, gemeint ist der Komponist und es geht um so viel mehr: um die Menschheit, die Freiheit, das große Ganze. Um Musik! – Und zwar um die von der ernsten Sorte.

So oder so, jedenfalls sorgte Beethoven nicht nur als sabbernde, neunzig Kilo schwere Töle für eine Menge Chaos. Auch als Komponist soll er ein „Rebell“ gewesen sein, ein „genialer Berserker“ (so titelte kürzlich die ZEIT). Nun übersieht man dabei ja das Wesentliche: Ludwig van Beethoven war in erster Linie gar kein Rebell, Revolutionär oder Erneuerer – sondern einfach ein Mega-Spaßverderber! Und ist es bis heute.

Beethoven ist nämlich nicht nur für penetrantes Gedudel für unbekannte Elisen verantwortlich, sondern auch für die wohl größte Unverschämtheit der Musikgeschichte: die Trennung von „E-“ und „U-Musik“. Oder vielmehr die Klassifizierung. Die Sache ist ja abwertend gemeint: „E“ und „U“, „ernst“ und „unterhaltend“, wahre Kunst gegen belangloses Getändel. Eine Menge gute und schlechte Musik ist nach diesem Prinzip vollkommen willkürlich in die Mülltonne sortiert oder aufs Podest gehievt worden. Dort staubt sie seitdem munter vor sich hin. Wer möchte schon hochkulturell Für Elise dudeln hören, wenn es so viele bessere Alternativen gibt aus der Popmusik, dem – laut alten weißen Musikwissenschaftlern – vermeintlich größten Schund der Musikgeschichte? Und „Schund“ ja nur, weil ein schwerhöriger Hitzkopf im achtzehnten Jahrhundert sich für Prometheus hielt, von Revolutionen und Respektlosigkeiten halluzinierte und alles in wirren Orchesterwerken festhielt, über die man stundenlang nachdenken muss!

Das ist alles viel zu anstrengend und dafür ist Musik doch wirklich nicht da. Vielleicht hat Ludwig van das seinerzeit einfach völlig falsch verstanden und überbewertet mit der Musik, vielleicht war es auch seine pure Egozentrik, die da mit ihm durchging. Man weiß es nicht. Jedenfalls hätte es allen viel erspart, wenn man damals gleich den Bernhardiner für die Rolle besetzt hätte statt den griesgrämigen Ludwig. Ein besseres Gehör hätte der allemal bewiesen.