Georg Abraham Schneider

Steckbrief

Geburtsdatum: 19. April 1770

Geburtsort: Darmstadt

Lieblingsinstrument: Waldhorn, aber eigentlich kann er alles außer Klavier

Best Buddies: Waldhornkollege Bötticher und Prinz Heinrich von Preußen

 

 

280 Thaler Gehalt, 53 Thaler Quartiergeld, 7 Thaler und 12 Groschen Schuh- und Strumpfgeld, 18 Thaler extra, ca. 30m3 Holz, 8800 Stück Torf, ein Kleid und täglich ein Wachslicht und zwei Talglichter – man konnte ordentlich verdienen als Waldhornist am Hof des Prinzen Heinrich von Preußen! Mit 32 Jahren hatte sich Georg Abraham Schneider, der sich zuvor noch als Notenkopist nebenbei etwas dazuverdient hatte, diese achtbare Stellung gesichert. Seine Musikerkarriere, die ihn durch Europa und zu angesehenen Anstellungen führen wird, beginnt mit einer soliden Ausbildung in seiner Geburtsstadt: In jungen Jahren geht er in die Lehre beim ansässigen Stadtmusikus Johann Wilhelm Mangold. Als Lehrling eines Stadtmusikus’ musste man, wie alle anderen angestellten Stadtmusiker, bei bürgerlichen Veranstaltungen spielen und bekam dafür einen entsprechenden Lohn. Dabei lernten die Auszubildenden zahlreiche Instrumente zu spielen. Schneider sagt dazu selbst in seinen biographischen Aufzeichnungen, dass er nach seiner Lehre alle Instrumente ziemlich gut beherrschte – bis auf das Klavier, das zu dieser Zeit noch nicht weit und allgemein verbreitet war. Dadurch, dass er bereits während seiner Ausbildung immer wieder öffentlich aufgetreten war, bekommt er bereits mit 17 Jahren eine Anstellung in der Darmstädter Hofkapelle als Hautboist. (So wurden damals übrigens alle Musiker einer Blaskapelle bezeichnet, unabhängig davon, welches Instrument sie spielten – die Bezeichnung kommt aus der Militärmusik, da die Oboe im 18. Jahrhundert in der Regel das Melodieinstrument der Heeresmusik war). Hier ist es Schneider möglich, sich beim Kantor Johann Gottlieb Portmann in Musiktheorie und Komposition fortbilden zu lassen, was er ausdrücklich wünscht. Und Portmanns Tochter wird kurz darauf seine Frau.

In der Darmstädter Hofkapelle verdient er übrigens 100 Gulden im Jahr, zusätzlich zu Brennholz und Mahlzeiten in der Hofküche. Ungünstiger Weise wird dieses Gehalt durch die Auswirkungen der Französischen Revolution in Mitleidenschaft gezogen, da das Budget der Hofkapelle nun vornehmlich in die Regierungstruppen fließt. Weil sein erstes Kind auf dem Weg ist, sucht er sich eine bessere Stelle, die er in Rheinsberg findet: als Waldhornist und Virtuose in der Hofkapelle des Prinzen Heinrich von Preußen, vergütet mit 180 Thalern plus Gratialien – bis zur eingangs aufgezählten Gehaltserhöhung. Finanziell geht Schneiders Karriere also stetig bergauf, aber auch musikalisch tut sich einiges. In Rheinsberg lernt er zum Beispiel seinen späteren engen Freund Bötticher kennen, mit dem er ein weit bekanntes Hornduo bildet. Und auch sein kompositorisches Wissen vertieft er dort.

So kann er nach der Auflösung der Rheinsberger Hofkapelle nach dem Tod des Prinzen Heinrich 1802 eine Europakarriere starten, die ihn über die Königliche Hofkapelle in Wien (300 Thaler Gehalt!), Reval (heute Tallin), wo er musikalischer Leiter des Theaters war, und St. Petersburg führt, bevor er nach Berlin zurückkehrt. Unbedingt erwähnenswert ist auch, dass er als Pädagoge und Konzertveranstalter von Abonnementkonzerten einen großen Einfluss auf das Berliner Musikleben hatte. Dort wird er 1820 auch zum Königlichen Musikdirektor berufen – in seinem kompositorischen Schaffen eine Zäsur: Als Hornist komponiert er vor allem Kammermusik, Sinfonien und Konzerte, als Musikdirektor dann Opern, Singspiele, Ballette und Schauspielmusiken. Seine Kompositionen sind also auf seine jeweiligen Tätigkeiten als Musiker ausgerichtet oder anders: Er komponiert für seine eigene musikalische Praxis.

Wegen seiner breit gefächerten Kompetenz gilt er als Fachmann für Instrumentation, weshalb ihn auch Fürst Anton Heinrich Radziwiłł mit der Instrumentierung seines Faust beauftragt. Seine Werke spiegeln in ihrer Instrumentation und Ausarbeitung diese Expertise – Klavierwerke finden sich in seinem Œuvre daher natürlich nur sehr wenige. Das tut seinem Werk aber absolut keinen Abbruch: Alles Gute zum 250., Georg Abraham Schneider!

 

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Die Übersicht zu Schneiders Einkommen und weitere Details aus diesem Porträt sind dem folgenden Artikel entnommen:

Bartholomäus, Helge (2000): „Musiker am Hof des Prinzen Heinrich: Georg Abraham Schneider.Lebensstationen des Waldhornisten“ In Liedtke, Ulrike, Schurz, Claudia (Hgg.): Das Theater des Prinzen Heinrich. Ein Lesebuch zum Schlosstheater Rheinsberg. Leipzig, Hofmeister. 99-107

Hintergrundbild: Adi Goldstein

Beitragsbild: Public Domain