Anton Reicha

Steckbrief

Geburtstag:
26. Februar 1770

Geburtsort:
Prag

Lieblingsinstrumente:
Geige, Flöte, Klavier

Entertainer:
Temporeich, unterhaltsam und witzig wie eine TV-Show – so oder so ähnlich könnte der Unterricht bei Anton Reicha gewesen sein.

Die Schulzeit – für die eine liegt sie länger zurück, für den anderen erst wenige Jahre. Doch alle kennen es, das Gefühl, in einer langweiligen Stunde fast einzuschlafen oder von einer dynamischen Lehrkraft unterhalten zu werden. Wie mag es wohl bei Anton Reicha im Unterricht gewesen sein? Zwischen 1795 und 1830 ist er berühmt für sein pädagogisches Gespür. Er gestaltet seinen Unterricht lebendig, indem er die musikalischen Inhalte mit Themen aus Kunst, Literatur und Mathematik verknüpft.

Anton Reicha verbringt seine Kindheit in Wallerstein/Bayern bei seinem Onkel. Hier macht er auch seine ersten Schritte auf der Geige, Flöte und dem Klavier. Außerdem lernt Reicha Deutsch und Französisch. Er ist 15 Jahre alt, als sein Onkel zum Kapellmeister am Hof des Kölner Kurfürsten Maximilian Franz ernannt wird. Reicha begleitet seinen Onkel und setzt seine musikalische Ausbildung als Geiger und Flötist im Orchester fort. In dieser Zeit entflammt auch seine kompositorische Begeisterung. Er studiert Haydn, Mozart und Händel und hinterfragt deren Konzepte.

Seine nächsten Stationen sind Bonn und Hamburg. In Bonn nimmt er gemeinsam mit Beethoven ein Studium auf – Philosophie und Algebra stehen auf dem Lehrplan. Reicha und Beethoven freunden sich an. Außerdem trifft er Haydn auf dessen Durchreise Richtung England. Danach geht es nach Hamburg. Er flieht vor französischen Besatzungstruppen. In der nördlichen Metropole vertieft er seine philosophischen Kenntnisse und taucht weiter in den Naturwissenschaften ab. Sein tägliches Brot verdient er sich als Lehrer für Klavier, Musiktheorie und Komposition. Nebenbei füllt Reicha auch selbst einige Notenblätter: 4 Sinfonien, 15 Streichquartette und 3 Klaviertrios zählen zu diesem Zeitpunkt unter anderem zu seinen Werken. Auch in Hamburg trifft er Haydn auf der Rückreise aus England.

Die politische Lage hat sich wieder entspannt. Reichas Pläne sind groß: Paris und Wien heißen seine nächsten Reiseziele. In Paris hofft er 1799 auf einen Durchbruch im Operngeschäft. Doch stattdessen punktet er mit seinen Sinfonien und Konzertouvertüren. Es zieht ihn weiter nach Wien, wo er sich zunächst um sein Vitamin-B kümmert. Er reaktiviert seine Bekanntschaft zu Haydn und Beethoven. Daraufhin folgen Kompositionsaufträge der Kaiserin und gute Beziehungen zu den Verlegern. In dieser Zeit gibt Reicha viele Kammermusikwerke heraus und versucht seine eigene Kompositionslehre auf den Markt zu bringen. Der wieder aufkeimenden Kriegsbedrohung kommt er zuvor und geht zurück nach Paris.

Hier krönt Reicha seine Laufbahn. Allseits bekannt als hervorragender Pädagoge wird er 1818 als Professor ans Konservatorium berufen – Berlioz, Liszt, Franck, Gounod und Vieuxtemps studieren bei ihm. Auch privat geht es voran. Er heiratet und wird Vater zweier Töchter. Der Durchbruch mit seinen Opern bleibt ihm erneut verwehrt. Populär ist er für seine Instrumentalwerke. Sein Leben endet nach achtjähriger Krankheit.

Musikalisch sucht Reicha immer den Bruch der Tradition. Er entfernt sich von der alten Fugenlehre, neigt zu schroffer Klanggebung und der Verwendung kühner Harmonik. Darüber hinaus etabliert er die Bläserquintette als dem Streichquartett gleichwertige Gattung. Seine musikalischen Experimente und theoretischen Überlegungen hält er in einer mehrbändigen Formenlehre fest. Eine Herzensangelegenheit ist hierbei die Melodie und er überlegt, wie er die Ausarbeitung eines melodischen Einfalls vermitteln kann.

Reicha liebt die großen Städte: Köln, Hamburg, Wien und Paris ziehen ihn an. Überall fällt er auf. Egal ob als Pädagoge, Komponist oder Musiktheoretiker. Er will immer weiter kommen. Die Musik reicht ihm nicht aus. Er versucht ständig seinen Horizont auch über die Philosophie und Naturwissenschaft zu erweitern. Reicha ist ein Vorbild für uns alle. In diesem Sinne: Happy Birthday zum 250.!

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Hintergrundbild: Adi Goldstein

Beitragsbild: Public Domain