1, 2, 3 – so werd’ ich zum Star

In unserer Themenwoche beschäftigen wir uns mit der ganz großen Frage: Wie wird eigentlich aus einem Musiker ein Star? Dass Talent sicherlich nicht schadet, ist klar. Aber was steckt sonst noch hinter dem großen Traum Klassikstar? Welche sichtbaren und unsichtbaren Marketing-Strategien werden von Produzenten, Agenturen und den Künstlern selbst aktiviert? Und welche absurden Hürden muss ein Musiker nehmen, um auf die großen Bühnen der Welt zu kommen?

Dr. Andreas von Imhoff, Inhaber und Gründer von AvI Service for music, einem Plattenlabel und Musikmanagement-Anbieter aus Köln, hat uns Antworten auf diese Fragen gegeben.

Andreas von Imhoff

Andreas von Imhoff

Geduld und Geld

In der Theorie müsste es jedem guten Musiker gelingen, berühmt zu werden. Aber, so erklärt Andreas von Imhoff, um das zu erreichen, braucht man viel Geduld, viel Geld – und eine Portion Glück. Denn auch großartiges Können führt zu Beginn einer Karriere nicht automatisch zum Erfolg. Eine Agentur muss her, eine Plattenfirma braucht man auch und die Produktion einer Debüt-CD läuft oft teilweise auf Kosten des Musikers. „Viele Veranstalter sind zu vorsichtig, das ist für neue junge Künstler schwer“ erzählt Andreas von Imhoff. Die Gagen sind daher am Anfang verschwindend gering. „Die spielen zum Teil für einen Hungerlohn, in kleinen Dörfchen, Städtchen, auf Festivals…“

 

Erfolgsrezept nicht vorhanden

Doch auch harte Arbeit und viel Geduld führen nicht unbedingt zum Erfolg. Denn das perfekte Rezept für die Bekanntmachung eines Künstlers existiert nicht. „Wenn ich das immer richtig machen würde, wäre ich ein steinreicher Mann“, lacht Andreas von Imhoff. Heutzutage reiche es nicht mehr aus, einfach nur ein guter Musiker zu sein. Stattdessen müsse man als Künstler eine besondere Persönlichkeit und eine Geschichte mitbringen. Denn ohne eine außergewöhnliche Eigenschaft oder eine tolle Story könne man sich nicht von der Konkurrenz abheben.

 

Die ersten Schritte

Wie bringt man also eine Karriere ins Rollen? Eine Strategie muss her! Grundlegend dafür ist das erste Gespräch mit dem Künstler, erklärt Andreas von Imhoff. Hier werde das Fundament der Karriere gelegt. Ein junger Musiker wird dabei erst einmal darüber ausgefragt, was er genau machen möchte, wo er hin möchte und was ihm besonders am Herzen liegt. Dann wird gemeinsam geschaut, ob das musikalische Programm eine Story hergibt. „Die Geschichte muss auf Realitäten basieren! Es ist nichts Gestricktes, das würde irgendjemand früher oder später sowieso herausfinden!“ betont von Imhoff.

Seine Erfahrung zeigt: Die Geschichte ist das A und O des Karrierebeginns. Einfach nur Beethoven Streichquartette spielen, das ist langweilig, das kann jeder. Bevor man eine CD produziert, muss man sich also Gedanken machen, welche rote Linie man für das Publikum sichtbar machen möchte. Von Imhoff sagt: „Mein Grundsatz ist: ich kitzle das heraus, was beim Künstler an Stärke da ist. Und aus dieser Stärke mache ich ein bisschen eine Marketinggeschichte.“

Als Beispiel erzählt er vom Karrierebeginn der jungen Pianistin Sophie Pacini. Ihre Geschichte basierte auf der Tatsache, dass sie schon früh mit Martha Argerich befreundet war und von ihr gefördert wurde. „Diese Geschichte hat sie nun bis zum Exzess immer wieder erzählt, und damit ist sie als Person interessant geworden“ erzählt der Musikmanager. „Wobei ich dazu gestehen muss, dass sie auch sehr gut Klavier spielt“ schmunzelt er.

 

Die Visitenkarte

Nach dem Künstlergespräch produziert man gemeinsam eine CD. Von Imhoff ist überzeugt, dass man ohne Debüt-CD keine Chance hat, bekannt zu werden. Der Künstler brauche eine Visitenkarte und wenn er den Veranstaltern nichts zum Anhören bieten könne, schneide er sich ins eigene Fleisch. Zur CD gehört auch das gute Cover. Denn fünfzig Prozent der CD-Verkäufer, so von Imhoff, finden nach wie vor über das Cover statt. „Ein 0815-Foto nützt überhaupt nichts. Das Foto muss eine persönliche Aussage haben“, sagt er. Seine persönliche Strategie ist, den Musiker so natürlich wie möglich abzulichten, ohne großartige Kleidung und viel Make-Up. Mit dieser Philosophie müsse er sich manchmal gegen die Meinungen der Fotografen stellen, aber es zahle sich aus. „Die Leute halten eben nur inne, wenn das Cover ein Eyecatcher ist, irgendwas, das sich abhebt vom Rest“.

Aktuelle Veröffentlichungen bei CAvi-music: kreative Cover-Bilder für den wichtigen Blickfang.

Connections, Connections

Mit Story und CD in der Tasche kann dann das Networking beginnen. Hier wird deutlich, wie wichtig eine gute Agentur und/oder ein Plattenlabel ist. Andreas von Imhoff ist schon 40 Jahre im Geschäft, wird von Journalisten und Konzertveranstaltern geschätzt und serviert den Musikern, die er unter Vertrag nimmt, die wichtigen Connections. Meistens werden mithilfe von PR-Agenturen die CDs an alle wichtigen Personen verschickt. Von den Journalisten erhofft man sich eine CD-Besprechung, oder zumindest eine Erwähnung des neuen Musikers. Die Veranstalter will man mit der CD von der Qualität der Musik überzeugen und wartet dann auf eine Einladung. Von Imhoff redet dann mit so vielen seiner Connections wie möglich über den Musiker, geht zu Veranstaltungen, verschenkt auch hier und da noch ein paar Platten mehr und spannt so sein Kontakte-Netzwerk soweit es geht. „Es ist immer trial-and-error, das ist nicht so sicher, als wenn ich Joghurt verkaufen würde.“ Da gehöre einfach auch eine Portion Glück dazu. Aber hat der Musiker es dann erst einmal geschafft, auf die wichtigen Bühnen zu kommen, steht der großen Karriere nichts mehr im Wege.

Steigbügelhalter

Andreas von Imhoff versteht sich selbst als Wegbegleiter für den Beginn: „Ich halte dem Künstler den Steigbügel hin, sodass er reintreten und sich aufs Pferd schwingen kann. Mehr kann ich nicht machen.“ Der Rest müsse vom Künstler kommen. Unglaubliche Knochenarbeit sei der Einstieg in die Welt der Klassiksternchen, erst recht, wenn man es als Solokünstler auf die ganz großen Bühnen schaffen will. Und die Musikhochschulen würden auf diese Anstrengungen leider nicht vorbereiten. „Musiker, die keine starke psychische Verfassung haben und sich nicht mit viel Ellenbogen-Einsatz durchkämpfen können, gehen schnell unter!“

Fünf Grundlagen für den Erfolg

Persönlichkeit mit Ellenbogen-Potential
Story mit Wow-Potential
Debüt-CD mit Überzeugungs-Potential
Connections mit Erfolgs-Potential
Geduld & Geld mit Erschöpfungs-Potential

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