Großes Kino im Konzerthaus Dortmund!

Foto: Anneliese Schürer

Der BVB-Star Neven Subotic im Konzerthaus! Das gibt es nicht alle Tage. Fußball und Konzert? Geht das? – Aber ja! Viele junge Leute sind im Konzerthaus zu sehen. Das Marketing von BVB und den Dortmunder Philharmonikern funktioniert.

 

Die Instrumente für die Fanfare der „Star-Wars“-Titelmelodie, die Harfe für die sanften Klänge für die Filmmusik von „Der Duft der Frauen“, Saxophone und Schlagzeug für James Bond …. das Orchester wartet diesen Abend mit großer Besetzung auf.

Konzertmeister und Solist war Alexander Prushinskiy. Vor ausverkauftem Haus gab es Musik aus den zahlreichen Filmen, von Actionkracher bis zur Liebesschnulze.

Der Beginn gleicht einer Radioansage: Man höre jetzt „The Twentieth Century Fox Fanfare“, danach dreht der Dirigent sich um und die Musik beginnt. Das wirkt seltsam, man fühlt sich als Konzertbesucherin wie vor den Kopf gestoßen. Erst nach der Fanfare, bei der das Zusammenspiel im Orchester nicht ganz sauber klappt, folgt die richtige Moderation. Generalmusikdirektor Gabriel Feltz und der BVB-Spieler Neven Subotić moderieren die Sendung – äh den Konzertabend. Dabei spielen sie sich beim Reden gern die Bälle zu, als ob sie sich auf dem Trainingsplatz über Filme unterhalten würden. Anfangs wirkt die Moderation von beiden etwas holprig und abgelesen, bis sie dann doch an Sicherheit gewinnen. Moderator Gabriel Feltz scheint beim Sprechen gern außer Atem zu sein, was wohl an der Doppelrolle des Dirigierens und sofort anschließenden Moderierens liegt. Die Leidenschaft für Musik teilen beide Moderatoren, das verbindet sie. Ein paar Fakten zum Inhalt der Filme werden genannt, sogar die ein oder andere Anekdote zum Regisseur und Filmkomponisten gibt es zu hören. So soll John Williams auf Steven Spielbergs Bitte, ihm Filmmusik zu „Schindlers Liste“ zu schreiben, geantwortet haben: „Aber ich kann doch keine ernste Musik schreiben.“ Worauf der Regisseur antwortete: „ Ja, das weiß ich. Genau deshalb sollst du mir welche schreiben.”

Das Konzert „love, space, hell“ vereint verschiedene Filmgenres an einem Abend in der Musik. Neben „Schindlers Liste“ spielen die Weltraum-Epen „Star Wars“ und „Alien“ eine filmhistorische und filmmusikalische große Rolle. Allerdings stellt sich die Frage, ob diese Filmmusik zu „Alien“ wirklich mit ins Konzertprogramm aufgenommen werden   musste: Ganz im Gegensatz zu den Weltraum-Epen „Star Wars“ oder „Star Trek“ist der Film eher etwas für Horror-Fans. Bei „Star Wars“ hat auch ein Nicht-Weltraum-Fan seine Freude, weil es um menschliche Beziehungen geht – das macht einen Film doch spannend. Neven Subotić kommt sympathisch rüber, ohne Starallüren, seine Werbung für seine Stiftung „bunt kickt gut“, die Flüchtlingskindern durch Fußballtraining die Integration erleichtern soll, erfolgt in ruhigem Ton, ohne Aufmerksamkeitsheischerei. Was seltsam wirkt: wenn das Orchester spielt, sitzt der BVB-Spieler neben dem Orchester auf einem Barhocker an einem Tischchen, ganz so, als ob er ein Stück Requisite wäre, das mal schnell an den Bühnenrand geschoben wurde, weil man es grad nicht braucht. Da hätte man eine elegantere Lösung finden können. Auf dem Barhocker wirkt der große schlanke Mann unbeholfen, wohingegen er als Moderator, wie auch auf dem Fußballplatz souverän und sicher ist.

Bild0396Foto: Magdalena Spinn

Die Musik ist, wie Filmmusik meist tönt: bombastisch. Die Titelmelodie zu „Star Wars“, die auch jeder Nicht-Fan kennt und das Thema zu „Zurück in die Zukunft“ sind zu hören. Letzterer feierte im Herbst sein 30. Jubiläum seit seinem Erscheinen in den 1980er Jahren. Bei der Moderation zu „Zurück in die Zukunft“ gelingt Gabriel Feltz und Neven Subotić sogar der ein oder andere Witz über den Film, was beim Publikum gut ankommt. Die Musik dazu ist angenehm nicht-kitschig, sie erinnert eher an einen Western, einen flotten Ritt durch die Prärie. Außerdem haben die zahlreichen Percussionisten im gesamten Konzert endlich mal ordentlich zu tun: Tamburin, Triangel, Glocken-Röhren… auf der Bühne ist richtig was los, es rasselt, klingelt und tönt, so dass man sich die flotten Fahrten und Flüge von Marty McFly gut vorstellen kann.

Die Stimmung beim gesamten Konzert ist gelöster als sonst: Plaudereien in den Bänken. Hier und da wird laut gelacht, man hat seinen Spaß. Die Dortmunder Philharmoniker holen aus der Filmmusik raus, was nur geht, beherrschen hervorragend die leiseren Passagen, einzelne Soloinstrumente kommen meist gut raus, seien es die Flöte oder die Harfe. Nur, wenn es zu bombastisch wird, dann hört man leider keine Harfe und selbst den Flügel nicht mehr. Toll sind die Lichteffekte beim Musik-Potpourri zu James Bond: Die im Vorspann allgegenwärtigen Scheinwerfer „suchen“ im Publikum, leuchten Konzertbesucher und Konzertbesucherinnen an; man zittert aus Angst, selbst Ziel des Revolverschusses von Bond zu werden. Bei „Alien“ ist die Orgel im Konzerthaus grün angestrahlt, die kleinen Leuchtpunkte der Scheinwerfer an der Decke erinnern an einen Sternenhimmel und irgendwie auch ans „Kodak Theatre“ , wo die Oscars verliehen werden.

Von dieser Auszeichnung hat Al Pacino nur eine bekommen: Für seine Darstellung der Hauptfigur im Film „Der Duft der Frauen.“ Er spielt dabei einen blinden Militär, der verbittert vom Leben, nur noch ein paar Dinge erleben will: Sex haben, ein Luxusauto fahren, gut essen… Die Philharmoniker spielen den Tango, den Al Pacino im Film tanzt, der Konzertmeister Alexander Prushinskiy spielt das Solo auf der Geige so beschwingt, dass man gleich mittanzen möchte. Die ironisch gemeinte Bemerkung der Moderatoren im Anschluß, dass der Konzertmeister wirklich Geige spielen könne, hätten sie sich aber sparen können, das kommt nicht als Witz an. Am Ende des Konzerts ist die Musik zu E.T. der Außerirdische zu hören. Ob die Konzerbesucher auch bald nach Hause wollen? Eher nicht, bei diesem begeisterten Applaus.

Mit den Schlussakkorden muss man wieder an die erste Filmmusik des Abends denken: „Star Wars“ von John Williams. Und so wird die Filmmusik weiter laufen, wird weiter geschrieben werden, denn Zelluloid ist ewig. Die Freude an der Musik merkte man den Dortmunder Philharmonikern richtig an, trotz der „schnellen Schnitte“, immer ein nahtloser Übergang von der Moderation zur Musik; ein fast pausenloses Musizieren.

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