Steckengeblieben im Orbit

Die unendlichen Weiten des Weltalls erinnern uns an unser Nichtwissen und unsere Unkenntnis, dass wir nur einen astronomisch kleinen Bruchteil vom großen Ganzen gesehen oder gehört haben. Mit der Musik ist es ebenso. Daran erinnern uns Pioniere wie Owen Pallett. Oder versuchen es zumindest.

Foto: Edi Szekely

Foto: Edi Szekely

Der kanadische Singer-Songwriter hat gemeinsam mit dem Ensemble Stargaze bei der Ruhrtriennale die Grenze zwischen Klassik und Popmusik überschritten. Im Maschinenhaus des PACT Zollvereins in Essen hat er neues Material seines im Frühjahr 2016 erscheinenden Albums vorgestellt, dessen letzter Song wohl mit den Worten „fucked into space“ enden wird.

Ob am Flügel oder mit den Händen in den Hosentaschen an der Kante der Bühne stehend: Palletts klare Stimme durchdringt die Begleitung sowohl in den tiefen als auch in den hohen Lagen. Vor allem in diesen ist er ausdrucksstark, obwohl man den Text aufgrund seines Akzents kaum versteht.

Das Multitalent aus Kanada bewegt sich zwischen den Stilen, Normen interessieren ihn nicht: Im Jahr 2006 gewann er, damals unter dem Namen „Final Fantasy“, für sein von Videospielen inspiriertes Album den „Polaris Music Prize“ für das beste kanadische Album. Auch wem das nichts sagt, gehört haben ihn schon viele, zumindest seine Streicher-Arrangements für Interpreten wie Arcade Fire, R.E.M oder Robbie Williams und viele mehr. Im Jahr 2010 legt er seinen Künstlernamen ab und veröffentlicht ohne Pseudonym sein Album „Heartland“, 2014 folgt „In Conflict“.

Pallett wagt das Experiment und setzt aus Parametern diverser Genres etwas Neues zusammen: Die Struktur seiner Stücke orientiert sich am Strophe-Refrain-Aufbau, er erweitert diese jedoch etwa um Zwischenspiele und bricht damit das Schema F. Das Ensemble Stargaze wirkt mit seinen Streichern, den Bläsern und dem Schlagzeug als kammermusikalischer Synthesizer, dessen Klang jedoch durch die elektronische Verstärkung etwas an Differenziertheit verliert. Vor allem die Glissandi der Streicher erzeugen Dissonanzen, als drehe jemand an einem Pitch-Regler, um charakteristische Klänge der elektronischen Musik zu erzeugen.

Trotz allem Mutes in unerforschte Dimensionen der Musik aufzubrechen: Der Musik Palletts fehlt etwas. Und zwar nicht nur eine Prise Sternenstaub, sondern eine ordentliche Portion Weltraumdreck. Das Arrangement ist fein, die besagten Dissonanzen sind notwendig, aber nicht ausreichend. Viele Stücke der ersten Hälfte des Konzerts wirken düster und bedächtig, aber für eine Gänsehaut reicht es nicht. Unendliche Weiten? Schon. Jedoch bleibt Pallett in einer etwas unspektakulären Umlaufbahn und traut sich nicht an die Sonne heran.

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