Mixtape No. 8 »Trionfi Amore!«

Manch einer behauptet, Opern gingen immer schlecht aus. Von wegen! Viele Opern haben ein Happy End, das den Zuschauer lächelnd nach Hause entlässt. Und gerade, wenn die reale Welt mal wieder Kopf steht, tut es gut, sich von den Glücksgefühlen der Opernprotagonisten anstecken zu lassen. Also: Füße hoch, entspannen und einer knappen Stunde den jubelnden Chören und Triumphgesängen lauschen!

In vielen Opern geht es um die Liebe. Dass aber nicht zwangsläufig einer (oder mehrere – na schön: manchmal auch fast alle) der Darsteller sterben müssen, damit das Stück dann aber auch wirklich zu Ende ist, beweist zum Beispiel La clemenza di Tito von Wolfgang Amadeus Mozart. Zugegeben, Tito, der römische Kaiser, soll in dieser Oper eigentlich sterben, was die Ursache für zahlreiche Konflikte der Protagonisten untereinander ist. Er überlebt aber den Mordanschlag und vergibt schließlich sogar seinem Freund Sesto, der den Plan der rachsüchtigen Vitellia ausgeführt hat. Auch Vitellia und die anderen Mitverschwörer werden begnadigt. Dieser Großmut Titos war namensgebend für die gesamte Oper und wird im finalen Sextett von Chor und Solisten bejubelt.

Ebenfalls für ihre Großherzigkeit bekannt ist Angelina aus Rossinis La Cenerentola, einer Variante des Aschenputtelmärchens. Obwohl es in Bezug auf die Fassung der Gebrüder Grimm manche Unterschiede in der Handlung gibt, enden beide Versionen gleich: Aschenputtel bekommt ihren Prinzen, den sie jedoch nicht mithilfe eines Schuhs, sondern durch zwei zusammenpassende Armbänder findet. Im Finale der Oper vergibt Angelina ihrer Familie und beginnt ein neues Leben. Non più mesta accanto al fuoco stellt sie fest, nicht länger muss ich mehr am Feuer singen. Stimmt, dieser Beschäftigung kann sie dann zukünftig im Ballsaal des Schlosses nachgehen.

Wahrscheinlich eine der bekanntesten Märchenvertonungen ist Engelbert Humperdincks Hänsel und Gretel. Am Ende der Oper haben Hänsel und Gretel die Hexe besiegt und die Lebkuchenkinder befreit. „Rallalala“ ertönt da das Lied des Vaters aus der Ferne. Die Eltern haben ihre Kinder wiedergefunden und schließen sie glücklich in die Arme.

Hänsel und Gretel, Wiener Staatsoper 2015, photo by Christian Michelides (CC)

Märchenhaft, aber düster beginnt Puccinis Turandot. Die schöne, unnahbare Tochter des chinesischen Kaisers lässt jeden Verehrer hinrichten, der nicht die drei von ihr gestellten Rätsel lösen kann. Calaf jedoch, Sohn des entthronten Tartarenkönigs Timur, verliebt sich in sie und schafft es, die Rätsel zu lösen. Er will die Prinzessin aber nicht heiraten, wenn diese seine Liebe nicht erwidert. Nachdem er sämtlichen Versuchungen widerstanden und sich die Sklavin Liù aus Liebe zu ihm geopfert hat, schafft Calaf es schließlich doch, das Herz der Eisprinzessin zu erwärmen, und das Volk feiert die Befreiung von der Schreckensherrschaft Turandots.

Ein weiterer Adliger, der seine Macht ausnutzt, ist Graf Almaviva aus Mozarts Le nozze di Figaro. Er will Susanna, Verlobte Figaros und Zofe seiner eigenen Ehefrau, verführen, was natürlich weder Figaro noch die Gräfin besonders freudig stimmt. Hinzu kommen noch weitere Intriganten, die auch ihre Vorteile aus der Sache ziehen wollen, sowie ein liebestoller Page. Nach mehrmaligem Kleidertauschen im nächtlichen Garten klärt sich jedoch alles auf, die Gräfin verzeiht dem Grafen und alle besingen im Schlussoktett den „tollen Tag“, der schließlich doch ein gutes Ende genommen hat („Ah, tutti contenti saremo così.“).

Wesentlich dramatischer ist da der Sachverhalt in Rossinis La Donna del Lago. Elena, ein junges Mädchen aus den Highlands, zieht aufgrund ihrer Schönheit die Aufmerksamkeit des schottischen Königs auf sich, ist aber eigentlich Rodrigo, dem Anführer eines schottischen Clans, versprochen. Sie jedoch möchte weder den Einen, noch den Anderen heiraten, ihre Liebe gilt Malcolm. An sich schon eine Rarität, denn der Tenor (König Giacomo V.) gewinnt ausnahmsweise nicht das Herz der Protagonistin. In der Zwischenzeit kommt es zu einer Schlacht zwischen den königlichen Truppen und dem Heer der Hochländer. Rodrigo fällt und sowohl Elenas Vater als auch ihr Geliebter Malcolm werden gefangen genommen, woraufhin sie beim König um deren Freilassung bittet. Dieser erkennt, dass Elena und Malcolm zusammengehören und lässt die beiden frei. Und was fehlt noch zum perfekten Happy End? Ach ja, der Segen des Vaters für die Vermählung. Natürlich bekommen sie den auch noch. Im abschließenden Rondo drückt Elena ihre Freude in einem Hagel von Koloraturen aus und der Chor feiert den wiederhergestellten Frieden („Tanti affetti in un momento – Fra il padre e fra l’amante“).

Ludwig van Beethoven schrieb in seinem Leben nur eine einzige Oper: Fidelio. Diese überarbeitete er mehrmals, sodass es auch eine Fassung unter dem Namen Leonore gibt. Die titelgebende Leonore verkleidet sich als Mann und nennt sich von nun an Fidelio, um ihren Geliebten Florestan aus dem Gefängnis zu befreien. Dieser wird von Pizarro unerlaubt gefangen gehalten und soll nun hingerichtet werden. Kurz vor der Eskalation taucht ein Minister auf, erkennt in dem Gefangenen seinen Freund Florestan und lässt auch die anderen Gefangenen frei. Der Chor bejubelt Leonores und Florestans Liebe in den höchsten Tönen.

Die Liebe ist auch das zentrale Thema in Glucks Orfeo ed Euridice. Um seine Geliebte Eurydike aus der Unterwelt zurückzuholen, steigt Orpheus selbst in den Hades hinab und betört durch seinen Gesang alle Lebewesen. Er darf Eurydike mit in die Welt der Lebenden nehmen, sich aber auf dem Rückweg nicht nach ihr umdrehen. Sie versteht sein sonderbares Verhalten nicht und bringt ihn schließlich doch dazu, sich umzudrehen. Eurydike verblasst und scheint für immer verloren, Orpheus beklagt erneut den Verlust der Geliebten. Stopp: Hier gibt es eigentlich drei verschiedene Enden des Mythos, von denen nur eines wirklich glücklich ist. In Glucks Oper kommt natürlich das gute Ende zum Einsatz, also weiter: Amor erscheint und holt Eurydike ins Leben zurück.  Trionfi Amore, die Liebe siegt!

Met Opera 7 by HyundaiCardWeb

Renée Fleming als Feldmarschallin, Metropolitan Opera 2009, HyundaiCardWeb/flickr (CC),  photo by Ken Howard/Metropolitan Opera

In Strauss´ Rosenkavalier finden ebenfalls zwei junge Liebende zueinander: Sophie und Octavian. Anders als bei vielen Opern ist dies jedoch nicht von Anfang an vorgezeichnet. Octavian hat eine Affäre mit der deutlich älteren Feldmarschallin Fürstin Werdenberg, während Sophie, eine Tochter aus reichem bürgerlichem Hause, den Baron Ochs, einen Widerling erster Güte, heiraten soll. Ähnlich wie bei Mozarts Figaro gipfelt dieses Beziehungsgeflecht auch hier in Verkleidungen und zahlreichen Täuschungen, die es Sophie und Octavian schließlich ermöglichen, ein Paar zu werden. Die Feldmarschallin hatte diese Entwicklung schon vorhergesehen und lässt Octavian gehen.

Obwohl deutlich betagteren Alters und mit einem über die Jahre stetig gewachsenen Bauch, hält Falstaff seine Verführungskünste nach wie vor für unübertroffen. Ziel der Begierde, nicht zuletzt aufgrund ihres Vermögens, sind in diesem Fall gleich zwei Damen auf einmal: Mrs Alice Ford und Mrs Meg Page, denen er mit identischen Briefen nachstellt. Die Anrede sagt es schon: Die Damen sind bereits verheiratet und – wie auch ihre Ehemänner – wenig begeistert von den Avancen Falstaffs. Nach einigen Verwicklungen und einem nur durch einen Wäschekorb gebremsten Sturz in die Themse muss Falstaff schließlich erkennen, dass auch seine Verführungskunst (ziemlich eng gesteckte) Grenzen hat. Bei einem Maskenfest kommen die richtigen Paare wieder zusammen und alle erkennen: „Tutto nel mondo è burla, l’uom è nato burlone“, die ganze Welt ist ein Spaß und der Mensch ein geborener Narr.

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